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Krankenhausseelsorge

Krankenhausseelsorge

Heidi Möller im Gespräch mit Pfarrerin Petra Bouvain über die Krankenhausseelsorge 

Guten Morgen, Pfarrerin Bouvain! Seit 4 Jahren schon arbeiten Sie in der Krankenhausseelsorge.
Für welchen Personenkreis ist diese denn eigentlich gedacht?

Im Gegensatz zu den Gemeindepfarrern, die ihre jeweiligen Gemeindeglieder auf Wunsch im Krankenhaus aufsuchen, bin ich für alle Patienten zuständig, unabhängig von Konfession, Kirchenzugehörigkeit und Wohnort (auch außerhalb unseres Dekanates). Meine Hilfe wird ebenfalls in Anspruch genommen, wenn kein Kontakt zum Gemeindepfarrer besteht. Auch Angehörige, Pflegepersonal und Ehrenamtliche suchen gelegentlich den Kontakt um Geschehnisse zu besprechen und zu verarbeiten. Seit einiger Zeit wurde ein Bereitschaftsdienst eingerichtet, sodass in dringenden Fällen immer jemand erreichbar ist.

Was sind Ihre Aufgaben?

Eine ganz wichtige Aufgabe ist es, Kranke und Angehörige in oft schwierigen Situationen durch Gespräch und Gebet zu begleiten. An drei Vormittagen in der Woche besuche ich regelmäßig die Stationen Geriatrie und Intensiv. Hinweise für Besuchsbedarfe auf den restlichen Stationen erhalte ich von den Patienten selbst, durch deren Angehörige oder über das Pflegepersonal und von Ärzten. Es gibt Gespräche über Sorgen und Ängste, die mit der Erkrankung auftreten. Es gilt Perspektiven für die Zukunft zu finden, wenn das Leben sich durch eine Erkrankung verändern wird. Oft ist es für die Angehörigen hilfreich, wenn eine Person mit Abstand sie bei den Entscheidungen berät und unterstützt.

Auch von schwerkranken und sterbenden Patienten und deren Angehörigen wird häufig seelsorgerliche Begleitung gewünscht. Das ambulante Palliativteam im Haus kontaktiert mich, wenn durch sie auf Station versorgte Patienten seelsorgerlichen Beistand wünschen.

Für verstorbene Patienten steht uns ein Abschiedsraum zur Verfügung, in dem wir Angehörigen und Freunden die Möglichkeit geben, in aller Ruhe und in einem geschützten Raum Abschied zu nehmen. Je nach Situation kann hier oder auch im Zimmer auf Wunsch eine Aussegnung durch den Gemeindepfarrer bzw. durch mich erfolgen.

Welche Rolle spielen Gottesdienste im Krankenhaus?

Jeden Mittwochabend um 19 Uhr wird eine Abendandacht in der Krankenhauskapelle gefeiert, die in die Zimmer über Radio und TV-Hauskanal übertragen wird. Auch gibt es besondere Gottesdienste an Ostern und Weihnachten, sowie zweimal im Jahr Abendmahl auf den Zimmern. Dafür stehen uns zwei mobile Altäre zur Verfügung. Dabei unterstützen mich regelmäßig Pfr. Theo Günther aus Wallenrod, der eine halbe Stelle Altenheim-, Kranken- und Hospizseelsorge innehat, seitens der kath. Kirche Pastoralreferentin Hedwig Kluth, ebenso Prediger Grebe von der Stadtmission und GemeindepfarrerInnen der Lauterbacher Region. Die Andachten bieten Patienten eine Möglichkeit, die eigene Situation vor Gott zu bringen und neue Kraft und Zuversicht aus dem christlichen Glauben zu schöpfen. Auch nach der Andacht ergeben sich für Patienten Gespräche und die Möglichkeit zum Kontakt.

Beschreiben Sie bitte weitere Tätigkeiten:

Seit 2 Jahren gibt es eine Ethikberatung im Krankenhaus, auch hier werde ich miteinbezogen, um meine Aspekte als Seelsorgerin einzubringen. Ich bin zuständig für den ehrenamtlichen Besuchsdienst, der für mich eine große Unterstützung darstellt, denn durch die regelmäßigen Besuche dieser Damen auf den Stationen erhalte ich Informationen, wo und wie ich seelsorgerlich helfen kann. Die Mitarbeiterinnen überreichen jedem Patienten persönlich unsere Seelsorgekarte mit der Einladung zur Andacht und den Angeboten der Krankenhausseelsorge sowie Kontaktmöglichkeiten, sie erledigen kleine Botengänge, verteilen Bibeln, helfen bei der Austeilung des Abendmahles und vieles mehr. An ehrenamtlichen Mitarbeitern im Krankenhaus gibt es darüber hinaus das Team der Bücherei, die von der ev. Kirchengemeinde Lauterbach getragen wird. Zusammenkünfte des Besuchsdienstes werden von mir mit einer Andacht begleitet und auf Wunsch referiere ich auch gerne zu einem Thema. Darüber hinaus bin ich gemeinsam mit Pfr. Günther an der Ausbildung der Pflegeschüler zum Thema „Sterben und Tod" beteiligt und biete Fortbildung für Pflegepersonal zu diesem besonderen Thema an. Zweimal im Jahr kommt auf meine Einladung hin ein Seelsorgekonvent zusammen, das sind alle, die im Krankenhaus mit der Arbeit und den Aufgaben der Krankenhausseelsorge zu tun haben.

Wie bekommen Sie Abstand und was gibt Ihnen Ihre Arbeit?

Natürlich erlebe ich belastende Gespräche und Situationen, von denen ich auch wieder etwas Abstand gewinnen muss. Meist gelingt es mir auf meinem Nachhauseweg nach Queck, schon etwas abschalten zu können. Meine Arbeit in der Krankenhausseelsorge erlebe ich aber nicht überwiegend als Belastung, sondern im Gegenteil als Bereicherung. Zunächst fremde Menschen lassen mich an ihrem Leben, an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben, ich erfahre, wie sie mit der Situation der Krankheit umgehen, kann gemeinsam mit ihnen nach hilfreichen Möglichkeiten suchen. Dadurch verändert sich auch der Blick auf das eigene Leben und seine Grenzen. Wenn ich Patienten weiterhelfen konnte, gibt mir das auch viel zurück. Ich denke, dass der Zeitpunkt seelsorgerliche Arbeit zu leisten, in der Mitte meines eigenen Lebens, für mich der Richtige ist.

Liebe Pfarrerin Bouvain, ich freue mich, dass Sie Ihren Platz gefunden haben und wünsche Ihnen weiterhin alles Gute, viel Kraft und Gottes Beistand für Ihre segensreiche Arbeit.

Text und Bilder © Heidi Möller

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© Text & Bilder: Heidi Möller

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