Wir wollen die Gemeinde über die Baumaßnahmen rund um unser Gemeindehaus auf dem Laufenden halten.


Barrierefrei, schadstoffarm, nachhaltig

Die Sanierung des Angersbacher Gemeindehaus glänzt mit vielen gelungenen Abschnitten – Schlüsselübergabe am 26.9.2020

ANGERSBACH (pm). Schon über hundert Jahre, genauer gesagt seit 1880, steht es an der Seite der Evangelischen Kirche in Angersbach, und seit den 1960er-Jahren dient es den Angersbachern als Gemeindehaus und Versammlungsort. Nun wurde das denkmalgeschützte Haus auf die Höhe der Zeit gebracht, nachhaltig, barrierefrei und mit Augenmaß. Am Samstag, 26. September wird das beteiligte Architekturbüro Möller Vey + Partner den Schlüssel für das Gemeindehaus symbolisch an den Kirchenvorstand zurückgeben und damit einen Schlussstrich ziehen unter eine Baumaßnahme, die nicht nur den Kirchenvorstand forderte, sondern auch Kreativität bei der Finanzierung und Umsetzung bedurfte.

Noch gemeinsam mit der damaligen Pfarrerin Jutta Weinmann wurde der Entschluss gefasst, das Gemeindehaus zu sanieren, berichtet die Kirchenvorstandsvorsitzende Inge-Lore Möller. Ausgangspunkt war die veraltete Küche, die für heutige Ansprüche von Gruppen nicht mehr ausreichte; auch die Elektrik war instabil. Außerdem wurde es mehr und mehr zum Problem, dass ältere und gehbehinderte Menschen so gut wie keinen Zugang zu dem Haus hatten: Sowohl vor dem Haupteingang gibt es Stufen zu überwinden und in den Saal im Obergeschoss führte lediglich eine Treppe. In dem Fuldaer Architektur-Büro fand man schnell einen Partner, der versiert ist sowohl im Denkmalschutz als auch im Umgang mit kirchlichen Gebäuden. Architekt Stephan Bessler war von da an ständiger Gast in Angersbach, wie Inge-Lore betont. Die enge Zusammenarbeit weiß sie sehr zu schätzen, ermöglichte sie es den Ehrenamtlichen vom Kirchenvorstand doch, stets informiert zu bleiben, gute Entscheidungen treffen zu können und den Baufortschritt transparent mit zu verfolgen.

„Es gab mehrere Anforderungen an die Renovierung dieses Hauses“, fasst Architekt Stephan Bessler auf einem ersten Rundgang durch das Gemeindehaus zusammen: „Zum einen sollte das Obergeschoss barrierefrei erreichbar sein, zum anderen benötigte es nach neuesten Vorschriften einen zweiten Fluchtweg.“ Beides konnte durch den Einbau einer Treppenaußenanlage geschaffen werden. Hinter dem Haus führt nun eine Rampe bis zum Seiteneingang im Erdgeschoss. Von dort gelangt man mit einem neu eingebauten Lift in die obere Etage. Draußen führt im Anschluss an die Rampe eine Treppe bis ins Obergeschoss und bildet mit direktem Zugang zum Saal den zweiten Fluchtweg ab. Die lichte Metallkonstruktion fügt sich unauffällig in die denkmalgeschützte Substanz ein; realisiert werden konnte die gute Idee nur, weil die Nachbarn mitmachten und sowohl die schweren Geräte dafür auf ihr Grundstück ließen als auch der Grenzbebauung zustimmten.

Startet man einen Rundgang durch das sanierte Haus, fällt zunächst auf, dass das Foyer teilweise neu gestaltet wurde – alles sieht nicht nur frischer und moderner aus, es ist es auch. Ein neuer Boden wurde verlegt, teilweise gab es neue Fenster und Türen; selbst die Elektrik wurde auf den neuesten Stand gebracht und ermöglicht nun im ganzen Haus einen Netzwerkanschluss. Neben dem neu eingebauten Lift weist das Erdgeschoss nun auch eine modernisierte WC-Anlage auf. Der Lift selbst ist eine kleine, intelligente Lösung, denn hier fährt nur die Plattform nach oben: Wände und Tür bleiben fest, was sich insbesondere mit Blick auf die Wartungs- und TÜV-Kosten als Vorteil erweist. Darüber hinaus passt sich die Größe des Liftes einer bestehenden Nische an, sodass dieser massive Eingriff optisch nicht als solcher wahrgenommen wird.
Auch das Treppenhaus wurde modernisiert und mit einer Anhebung des bestehenden Geländers den heutigen Sicherheitsstandards angepasst.

Die Küche im Obergeschoss – gewissermaßen der Ausgangspunkt der Aktion – strahlt leicht vergrößert in neuem Glanz, verfügt über moderne Küchengeräte und ist sehr einladend ausgestattet. Sie wird nun vielen Gruppen über viele Jahre hinweg wieder gute Dienste tun. Im Saal, ebenfalls im Obergeschoss, wurden neue Schallschutzdecken eingebaut, die allen möglichen Nutzungsvarianten von Chor über Versammlung bis hin zu Musik entgegenkommen. Gesundheitsschädliche Dämmstoffe wurden entfernt und ersetzt. Durch die Farbwahl ist der Raum nun hell und freundlich geworden und wirkt, obwohl er tatsächlich ein paar Quadratmeter an die neue Küche verloren hat, größer. Immer noch ist er – in Zeiten jenseits Corona – für bis zu 80 Personen geeignet. Die Beleuchtungstechnik wurde mit einer hochmodernen Steuerung und der Verwendung von dimmbaren LEDs auf den neuesten Stand gebracht. „Wir haben modernisiert, so Bessler, „aber wir haben nur ausgetauscht, was ausgetauscht werden musste“; berichtet der Architekt: Fenster blieben hier bewusst erhalten, ebenso die Unterzüge und Wandvorsprünge, die farblich an das neue Konzept angepasst wurden. Auch die vorhandenen Heizkörper blieben im Saal: Nachhaltigkeit war dafür ein Argument genauso wie der Blick aufs Budget. Das hatte es dennoch in sich: 330.000 Euro hat die Sanierung verschlungen, davon 109.000 Euro für den Umbau zum barrierefreien Gebäude. 40% dieser Kosten übernimmt die Aktion Mensch, während die Landeskirche, die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), 65% der Gesamtsumme zahlt. Den anderen Teil muss die Kirchengemeinde stemmen, die dies gut und solidarisch bewältigt hat. „Bei den Ausschreibungen haben wir unser Augenmerk auf hiesige Unternehmen gelegt“, fügt Inge-Lore Möller hinzu, die sich freut, dass ihr Gemeindehaus mit viel Unterstützung – darunter auch ein Crowdfunding bei der Sparkasse Oberhessen für die Küche – nun so schön, modern, zweckmäßig und barrierefrei geworden ist.

Ab sofort kann es wieder für viele Gruppen und Vereine, kirchliche und kommunale Zwecke, Familienfeiern und andere Zusammenkünfte zur Verfügung stehen. „Natürlich sind die Möglichkeiten derzeit eingeschränkt“, sagt Inge-Lore Möller, dennoch bieten wir hier einiges an – und es soll mehr werden. „Wir haben viele Ideen für unser Gemeindehaus – gerade jetzt, wo alle wieder kommen können.“

Traudi Schlitt, EKHN Dekanat Alsfeld

Der neue AufzugDie neue KücheDer neu gestaltete SaalDas Foyer1 Aufzugfahrt Die Eibe ist gefällt Die Eibe ist gefällt Die Eibe am Gemeindehaus