Andacht „to go“ 19. Juli 2020 – 6. Sonntag nach Trinitatis
Bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Licht sehen wir da Licht. – Psalm 36, 10 –
Im Namen des Vaters,
der uns mit vielen guten Gaben gesegnet hat,
des Sohnes, der uns ermutigt, diese Gaben dem Nächsten entgegen zu bringen,
des Heiligen Geistes, der uns die Kraft schenkt, gütig zu sein.
Moderne Übersetzung von Psalm 19
Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes;
vom Werk Seiner Hände kündet das Firmament.
Ein Tag sagt es dem anderen,
eine Nacht tut es der anderen kund.
Weder sind es Worte,
noch sind es Reden,
unhörbar bleibt ihre Stimme;
ihr Schall erfüllt den ganzen Erdkreis
und ihre Reden gehen bis ans Ende der Welt.
Der Sonne baut Er ein Zelt am Firmament,
sie kommt heraus wie ein Bräutigam aus ihrem Gemach,
sie jubelt wie ein Held, der seine Bahnen läuft;
an einem Ende der Erde steigt sie auf
und am anderen Ende geht sie nieder,
nichts bleibt verborgen ihrer Glut.
Gebet
Wir machen uns viele Gedanken, Gott, um tägliche Fragen, um kleine und große Sorgen. Schenke uns Kraft, Gott, zu tragen, was wir nicht ändern können.
Gib uns Mut und Phantasie, zu ändern, was wir ändern können. Und Klarheit, beides voneinander zu unterscheiden.
Dazu schenke uns Gelassenheit, Humor und Vertrauen.
Gedanken über das Lied aus dem evangelischen Gesangbuch Nr. 450 Morgenglanz der Ewigkeit
Liebe Leser,
Morgenglanz der Ewigkeit, Licht vom unerschaffnen Lichte, schick uns diese Morgenzeit deine Strahlen zu Gesichte und vertreib durch deine Macht unsre Nacht.
So lautet der erste Vers.
„Guten Morgen” scheinen uns die Worte zuzurufen und lassen den Tagesbeginn kräftig strahlen und glänzen. Sonnenstrahlen am Morgen lassen mich fröhlicher aufstehen und aktiver den Tag angehen.
Manchmal höre ich da ein bisschen das Sprichwort „Morgenstund` hat Gold im Mund heraus – Das ist ja ein Spruch, der uns schon am frühen Morgen antreiben will. Schließlich erwartet uns als Frühaufsteher ein gefüllter Tag, an dem man viel schaffen kann und etwas erreicht … eben „Gold im Mund”.
Aber ehrlich gesagt: Bei diesem Lied scheint es mit irgendwie nicht zu passen.
Das ist kein „fleißiges” Morgenlied, da geht es nicht um die tägliche Arbeit und den ersehnten Erfolg.
Ich habe eher den Eindruck, dass diese Strophen beschreiben, wie in einem Lebensweg ganz allmählich die Sonne aufgeht und das Licht die Dunkelheit und die Nacht vertreibt.
Deiner Güte Morgentau fall auf unser matt` Gewissen, lass die dürre Lebens-Au lauter süßen Trost genießen und erquick uns, deine Schar, immerdar.
Langsam wird es hell, gedanklich bin ich im Urlaub schon auf einem Wanderweg in den Bergen. Ich sehe den Nebel im Tal, und von Osten, her geht die Sonne auf, das Tal wird heller und farbiger … rotgolden erscheinen die Baumspitzen … ganz langsam wird es heller. Kein Wecker schellt, kein Telefon bimmelt, keine E-mail ploppt am Bildschirm auf. Es wird hell, die Nacht wird vertrieben – ein unbezahlbarer Moment.
Wahrscheinlich geht es dem Dichter wirklich um etwas Unbezahlbares. Eben nicht um „Morgenstund hat Gold im Mund”! Um das Erleben, dass es hell wird um mich herum, dieses Licht, diese Ruhe mir unsagbar gut tut.
Wenn man so einen Sonnenaufgang aus dem Dunst erlebt, sich die Zeit nimmt, das auf sich wirken zu lassen, dann lässt uns das nicht kalt. Das Strahlen überträgt sich auf uns selbst.
Im Weisheitsbuch Salomos, kann man über die Sonne und das Licht Folgendes im Kap. 7, Verse 24-26 lesen:
Sie ist schneller als alles und so rein und fein, dass sie durch alles hindurchgehen kann. Denn sie ist ein Hauch, der von dem allmächtigen Gott ausgeht, ein reiner Ausfluss seiner Herrlichkeit; deshalb kann nichts Unreines in sie eindringen. Sie ist der Abglanz des ewigen Lichtes, der ungetrübte Spiegel von Gottes Macht, das Abbild seiner Vollkommenheit.
Das erinnert mich an so eine erlebte Sonnenaufgangsszene: Da strömt etwas von Gott durch meine Welt; wenn ich mich dem aussetze, dann wirkt das, dann wird es heller in mir, dann lässt sich das, was von Gott kommt; leichter verstehen.
Was da strömt, lässt sich schwer in Worte fassen. Die „Weisheit Gottes” steht in meiner Bibelübersetzung, aber es ist damit etwas anderes gemeint, als das was wir in Deutschland mit „Weisheit” verbinden.
Diese Weisheit kann man nicht mit Klugheit oder Intelligenz gleichsetzen, es geht um eine viel umfassendere Kraft Gottes, die uns Menschen erfüllen kann. Vielleicht ist es nicht falsch, wenn wir hier einfach vom Licht Gottes sprechen.
Liebe Gemeinde, das Lied scheint mir eine Werbung für den Sonntag zu sein, als den Tag, an dem man dieses Licht Gottes besonders erleben kann. Stehe auf, setze dich den Sonnenstrahlen Gottes aus. Verbarrikadiere dich nicht hinter der Arbeit, hinter tausend Dingen, die wichtig erscheinen. Setze dich den Strahlen der Liebe und Weisheit Gottes aus. Erlebe das gemeinsame Beten, Reden und Hören im Gottesdienst, bestimmt bald auch wieder das Singen. Gehe hinaus, und erlebe die Weite des Himmels, der sich endlos über dir erstreckt und etwas von der Größe Gottes ahnen lässt. Lass dich von dieser Kraft Gottes durchströmen.
Mit dieser Energie ausgestattet macht der dritte Liedvers einen Sinn:
Gib, dass deiner Liebe Glut unsre kalten Werke töte, und erweck uns Herz und Mut bei entstandner Morgenröte, dass wir, eh wir gar vergehn`n recht aufstehn`.
Aufstehen sollen wir, und etwas schaffen – und zwar das Richtige. Keine egoistischen kaltherzigen Taten, sondern Werke der Liebe. Wer von Gottes Kraft durchströmt ist, der kann liebend handeln, kann Energie für seinen Nächsten zum Guten aufbringen.
Christian Knorr von Rosenroth hat dieses Lied verfasst. Dabei war er gar kein klassischer Liederdichter. Er war Politiker! Hoch gebildet, Hof- und Kanzleirat bei dem Herzog von Sulzbach-Rosenberg.
Er hatte große Verantwortung. An seinen Entscheidungen hing das Wohl und Wehe vieler Menschen. Über die Zukunft und Weiterentwicklung des Bergbaus musste er entscheiden. Zur gleichen Zeit suchten Evangelische Flüchtlinge in der Oberpfalz Asyl, da sie aus Tirol wegen ihres Glaubens vertrieben wurden. Als Christ an solcher Position zu stehen; mit der Aufgabe, gegebenenfalls unangenehme Entscheidungen zu treffen – das ist nicht leicht.
Das ist in unserer Gegenwart nicht anders.
Wir leben noch in der ungewissen Corona – Zeit, mit der Angst, dass die Asteckungszahlen wieder höher werden, die darauf folgenden Einschränkungen eingehalten werden müssen. Gegenseitige Verantwortung wahr zu nehmen, als Politiker, als Eltern, als Unternehmer, als Normalbürger und Christ erfordert Mut. Oft genug muss man da mit Kompromissen leben.
Darauf vertrauen, dass Gott einem die rechte Weisheit gibt. Sich freuen, wenn man entdeckt, dass man gut entschieden hat; oder im anderen Fall seinen Fehler zur Kenntnis nehmen, und wieder aufstehen, um nun das Richtige zu tun.
Das beschreibt der dritte Vers.
Gib, dass deiner Liebe Glut, unsere kalten Werke töte, und erweck uns Herz und Mut bei entstandner Morgenröte, dass wir, eh wir gar vergehn` recht aufstehn`.
Liebe Leser,
selbst mit den letzten beiden Versen bleibt das Lied ein Morgenlied. Nur dass sich die Szene ein wenig verschiebt. Nicht mehr vom Aufstehen aus dem Schlaf ist die Rede, sondern vom Aufstehen aus dem Tod. Verse 4+5:
Ach du Aufgang aus der Höh, gib, dass auch am Jüngsten Tage unser Leib verklärt ersteh und, entfernt von aller Plage, sich auf jener Freudenbahn freuen kann.
Leucht uns selbst in jener Welt, du verklärte Gnadensonne; führ uns durch das Tränenfeld in das Land der süßen Wonne, da die Lust, die uns erhöht, nie vergeht.
Ich habe den Eindruck, dass Christian Knorr von Rosenroth Himmel und Erde, nicht so stark gegeneinander setzt, wie es manche seiner Zeitgenossen getan haben.
Oft genug erleben wir in alten Lieder den Kontrast: Hier auf der Erde ist nur Trübsal und Schmerz, dann aber wird alles im Jenseits aufgehoben und dort ist alles paradiesisch.
Man könnte fast vermuten, dass die irdische Welt und die Ewigkeit bei Gott nichts miteinander zu tun hätten.
Dieses Lied schlägt die Brücke indem es das Symbol des Lichts Gottes im Leben auf der Erde und im Tod in der Ewigkeit leuchten lässt.
Himmel und Erde, Gegenwart und Zukunft werden vom gleichen Licht Gottes durchstrahlt. Das gleiche Licht, vom gleichen Gott – natürlich in unterschiedlicher Intensität und Klarheit, und in unterschiedlichen Situationen.
Das Licht Gottes, das im Jenseits – so hoffen wir – uns ungehindert erfüllt und durchströmt, das müssen wir in dieser Welt halt immer wieder gezielt aufsuchen. Ob es im Gottesdienste, in der Natur, im Lesen der Bibel, oder beim Meditieren ist – da gibt es viele Facetten, viele Möglichkeiten. So, wie man Sonnenaufgänge intensiv und besonders gut erleben kann, wenn man ruhig und ohne Hektik darauf einstellt, so kann jeder Mensch seinen Zugang zu Gottes Licht in seiner Lebenssituation finden.
Fürbitte:
Gott des Lebens, in deinem Lichte sehen wir das Licht.
Gott des Lebens, zünde dein Licht in den Herzen der Menschen an, die in dieser Welt Macht haben.
Lenke du ihr Handeln und ihre Entscheidungen. Zünde dein Licht in den Herzen der Menschen an, die über das Schicksal anderer entscheiden. Lass sie Barmherzigkeit und Güte zu ihrem Maßstab wählen. Zünde dein Licht in den Herzen der Menschen an, deren Worte wirken. Mach durch sie die Welt zu einem besseren Ort.
Gott des Lebens, mache es hell in der Welt und zeige den Weg zum Frieden.
Mache es hell an den Orten der Gewalt und versöhne Gegner und Feinde.
Wir denken besonders an die Menschen in den Corona Krisengebieten unserer Zeit wir denken an die Menschen die auf der Flucht sind. Mache es hell, wo die Angst regiert und lass die Worte des Hasses verstummen. Wir denken an die, die ihren Hass über Andersdenkende verbreiten. Wir denken an die politisch Verantwortlichen. Mache es hell und bestärke alle, die den Frieden schützen.
Gott des Lebens. Dein Licht vertreibe die Dunkelheit des Todes. Dein Licht umhülle unsere Verstorbenen. Dein Licht tröste die Trauernden. Dein Licht bringe den Kranken Heilung und den Pflegenden Stärke.
Dein Licht vertreibe die Verzweiflung. Gott des Lebens. In deinem Licht sehen wir das Licht. Du machst unser Leben durch den Glauben hell. Einige uns und segne unsere Kinder und alle, die zu uns gehören. Amen
Sommersegen (Christa Spilling-Nöker)
Wenn dich die Ferne lockt und das Abenteuer
unbekannter Länder in die Fremde aufbrechen lässt,
dann wünsche ich dir, dass du all das Neue,
dem du unterwegs begegnest,
ganz in dich aufnehmen kannst,
dass es deine Seele weitet
und so zu einem Teil von dir selbst wird.
Bleibe behütet,
dass dir unterwegs kein Unheil geschieht
und keine Krankheit deine Freude lähmt,
damit du, bereichert durch all das Schöne,
das du erleben durftest,
erholt in deinen Alltag zurückkehren kannst.
Gottes reichlichen Segen,
das wünsche ich Ihnen / Dir von Herzen
Inge-Lore Möller
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