Andacht „to go“ zum 4. Advent, 20. Dezember 2020

 

Begrüßung:

Ich begrüße sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN
Wegen der stark angestiegenen Coronazahlen haben wir in den Kirchenvorständen in Wartenberg beschlossen keine realen Gottesdienste bis 3. Januar zu feiern. So komme ich heute in ihre Wohnstuben mit Worten zum 4. Advent.
„Freut euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!“
Das ruft Maria in ihrem Lobgesang im Magnifikat aus. Darum wird es gleich in der Ansprache gehen.

 

Psalm
Gott, du wollest dich aufmachen und über Zion erbarmen.
Ps 102,14a; 18.20-23

Gott wendet sich zum Gebet der Verlassenen
    und verschmäht ihr Gebet nicht.
Denn er schaut von seiner heiligen Höhe,
    der Herr sieht vom Himmel auf die Erde,
dass er das Seufzen der Gefangenen höre
    und losmache die Kinder des Todes,
dass sie in Zion verkünden den Namen des Herrn
    und sein Lob in Jerusalem,
wenn die Völker zusammenkommen
    und die Königreiche, dem Herrn zu dienen.


Ansprache:

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt.
Liebe Zuhörer*innen,
nur noch wenige Tage bis Weihnachten. Diesem Weihnachten, dass so anders werden wird.
Aber trotzdem können wir dann wieder hören und lesen, wie der Engel den Hirten zuruft: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“
Die Engel setzen die Hirten in Bewegung. Sie brechen heraus aus der Dunkelheit und kommen zum Jesuskind, das in eine hoffnungsvolle Zukunft weist.
Ja, Frieden. Ich habe das Gefühl, dass wir uns das sehnlicher wünschen als noch vor Jahren. Wobei der große Frieden in der Welt wichtig ist, aber auch der Frieden hier bei uns. Der Frieden mit der Natur und den Mitmenschen. Und wir erleben ja leider zur Zeit, wie es dazu kommt, dass Gruppen auseinander driften. Unversöhnlich steht man sich gegenüber. Es wird nur über einander geredet, vor allem in den sozialen Medien, aber nicht mehr miteinander im direkten Gespräch.
Gewohntes geht verloren, was uns lieb und teuer war. Und dazu kommt noch die Verunsicherung durch das Coronavirus.
In diese unsere Situation hinein, will gleich der Predigttext zu uns sprechen. Und ich bin erstaunt, wie aktuell die Worte sind. Denn damals wie heute lebte man in einer unfriedlichen Zeit.
Der Text erzählt von einer ganz jungen Frau. Ihr Land ist besetzt durch ein fremdes Volk. Die kleinen Leute, zu denen sie zählt, werden unterdrückt und ausgebeutet. Selbst ihre Religion ist nicht mehr unangefochten. Gerade mal ist die junge Frau verlobt und nun ist sie schwanger geworden und das unter Umständen, die für Außenstehende schwer verständlich sind. Ein Engel war ihr erschienen und hatte ihr die Geburt prophezeit. Sie macht sich auf zu ihrer Verwandten, der ebenfalls eine Geburt durch einen Engel verkündet wurde.
Eigentlich müssten beide Frauen am Ende ihrer Kraft sein. Sind die Umstände nicht bedrückend und die Zukunft wenig hoffnungsvoll? In was für eine Welt werde ich geboren?
Aber es geschieht etwas Wunderbares. Durch die Begegnung mit den Engeln und der Frauen untereinander kann die junge Frau plötzlich ganz hoffnungsvolle Töne anstimmen.
Sie haben längst erraten, dass ich von Maria, der Mutter Jesu spreche. Bei dem Besuch bei ihrer Verwandten Elisabeth, der Mutter des Täufers Johannes, singst sie ein Lied über Gottes Liebe zu uns Menschen, die allen Unfrieden ein Ende setzen will. Magnifikat. Wird dieser Bibeltext auch genannt. Maria rühmt Gottes Taten in diesem Lied, das ein Adventslied ist. Vielleicht kennen sie die Vertonungen von Bach und Pergolesi, die das Adventslied wundervoll in Musik umgesetzt haben.
Ich lese aus dem Lukasevangelium Kapitel 1, 46 b-55
MARIAS LOBGESANG
46 Und Maria sprach:
Meine Seele erhebt den Herrn,
47 und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes;
48denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.
Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.
49 Denn er hat große Dinge an mir getan,
der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.
50 Und seine Barmherzigkeit währet für und für
bei denen, die ihn fürchten.
51 Er übt Gewalt mit seinem Arm
und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.
52 Er stößt die Gewaltigen vom Thron
und erhebt die Niedrigen.
53 Die Hungrigen füllt er mit Gütern
und lässt die Reichen leer ausgehen.
54 Er gedenkt der Barmherzigkeit
und hilft seinem Diener Israel auf,
55 wie er geredet hat zu unsern Vätern,
Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit.

Herr, du kommst zu uns in deinem Wort, hilf uns, dich zu empfangen.

Maria bezeugt mit ihrem Lied ihren Glauben – sehnsüchtig, leidenschaftlich und realistisch zugleich – mitten in der Erwartung ihres Kindes.
Sie besingt unbegreifliche Dinge, die nicht mit dem Verstand, sondern nur im Glauben erfasst werden können: Sie singt von einem Wunder; der Umkehrung aller Werte; dem Geheimnis der Macht in der Schwachheit, das mit der Geburt des Gottessohnes Wirklichkeit werden wird. Maria besingt, dass sich der große Gott in seiner Barmherzigkeit so klein machen wird, dass er in ihr als Mensch geboren wird. Sie besingt, dass Gott Mensch wird.
Mit diesem Lied verleiht Maria ihren Erfahrungen und Empfindungen Ausdruck; alle ihre Sinne scheinen in Gottes Liebe und Lob zu schweben.
Sie lehrt uns mit ihren Erfahrungen und Worten, wie man Gott erkennen, lieben und loben soll.
Maria singt also nicht nur für sich allein. Maria singt so, dass wir ihr nachsingen, dass wir mit ihr singen können.
„Meine Seele erhebt den Herrn“ singt Maria. Sie singt ein Loblied, wunderbar und wundervoll und von tiefer Sehnsucht erfüllt. Erinnern wir uns an die schwierige Situation. Hätten wir da nicht schon längst resigniert? Was macht sie so hoffnungsvoll und lässt sie singen und loben? Wie können wir mitsingen und selber wieder hoffnungsvoll, sehnsüchtig in die Zukunft schauen?
Betrachten wir dazu noch einmal Marias Geschichte. Der Erzengel Gabriel war erschienen. Er hatte ihr verheißen, dass sie Gottes Sohn zur Welt bringen wird. Er sagte ihr Lukas 1,31 f: „Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihn den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und der Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.“
Gott schickt seinen Boten zu Maria. Und seine Botschaft verändert ihr Leben grundlegend. Er schickt sie auf einen neuen Weg, aber gestärkt und gerüstet. In der Begegnung mit Elisabeth kann sie es aussprechen. Sie, die unbedeutende Frau, aus kleinen Verhältnissen ist von Gott auserwählt worden seinen Sohn das Leben zu schenken.
Ganz tief in ihr Herz hat Gott sie angeschaut und in sie die Sehnsucht, die Hoffnung auf eine gute Zukunft gepflanzt. Mit diesem Gefühl wichtig und wert zu sein, hat Maria erfahren, dass ihr Leben ein Fundament hat, das sie trägt.
Wir würden mit unseren Worten vielleicht sagen. Er hat ihr Herz erwärmt. Und wenn das Herz entbrannt ist, dann bringt das die Menschen in Bewegung. Plötzlich kann das eigene Leben Sinn bekommen, wo man vorher nur Dunkel sah. Plötzlich weiß man, was zu tun ist.
Auf diesen Weg hat Maria sich aufgemacht, weil sie wusste, Gott ist mit mir, und er will das Gute für seine Welt. Das hat sie in Bewegung gesetzt. Wunderbar, dass durch sie Gottes Sohn in die Welt kommen konnte. Er hat es uns vorgelebt, wie ein friedvoller mitmenschlicher Umgang geschehen kann. Nämlich im direkten Kontakt miteinander, in dem man sich gegenseitig auf Augenhöhe wahrnimmt und miteinander in den Austausch kommt. Wo eine andere Meinung angesehen wird als eine andere Sicht der Realität, über die man ins Gespräch kommen kann.
Bis ans Ende der Tage dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott mit uns geht an Sonnen- und an Regentagen. Ganz tief in unser Herz darf diese Botschaft fallen. Auch zu uns hat Gott „Ja“ gesagt, nämlich in der Taufe.
Er hat uns dabei sogar mit unserem Namen angesprochen. So unverwechselbar und einmalig sind wir für ihn. Auch in uns will Gott, wie bei Maria, die Sehnsucht nach einem guten und friedvollen Leben pflanzen, dass uns in Bewegung setzt auf Wege der Solidarität und Menschlichkeit hier vor Ort und in der Welt.
Gott kommt in die Welt und Maria darf zu seiner irdischen Mutter werden.
Gott ist mitten unter uns, treu steht er an unserer Seite. Möge etwas von der Sehnsucht der Maria auch uns anrühren und in Bewegung setzen. Dann werden wir auch auf guten Wegen unterwegs sein, gerade jetzt in unserer Welt, die uns immer komplizierter erscheint und uns vor immer neue Herausforderungen stellt. Dann werden auch wir nicht aufhören für den Traum, die Sehnsucht einzutreten, von einem menschenwürdigeren Miteinander auf der ganzen Welt und auch bei uns vor der Haustür. Und dann können wir auch mit leichten Herzen und hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. AMEN

Und der Friede Gottes der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. AMEN

 

Gebet mit Fürbitten (EKD- Wochengebet)

Was geschieht, Gott,
wenn deine Boten in unsere Wirklichkeit treten,
wenn das Undenkbare,
das Unerwartete einbricht?
Können wir dich erkennen, wenn du zu uns kommst
in deinen Engeln, deinen Zeichen?
Verwandle und heile uns, Herr,
dass wir spüren, wenn du nahst und uns dir öffnen können.
Wir rufen:
Herr, erbarme dich.

Komm zu allen, die dich suchen,
die in ihren Nöten fragen:
Wo bist du Gott?
Die nach dir verlangen, aber dich nicht finden können.
Wir rufen:
Herr, erbarme dich.

Komm zu allen,
die nicht mehr hoffen können,
deren seelische Kräfte aufgebraucht sind,
die den Glauben an sich und andere
und an eine freie Gesellschaft mit Chancen für alle verloren haben.
Wir rufen:
Herr, erbarme dich.

Komm zu allen,
die einsam sind,
zu den Alten, die ihre Familien vermissen,
zu den Kindern, die in ihren vier Wände keine Heimat haben.
Wir rufen:
Herr, erbarme dich.

Komm zu allen,
die in Krankheit ins Ungewisse schauen,
die sich an der Grenze ihres Lebens wissen und fragen,
was sie erwartet
und wie sie bestehen können in ihrer Angst.
Wir rufen:
Herr, erbarme dich!

Komm zu allen,
die sich in Feindbilder einschließen,
die Andersdenkende diffamieren müssen,
um sich selbst in den eigenen Wahrheiten zu bestätigen,
die keine Kritik ertragen können.
Wir rufen:
Herr, erbarme dich!

Komm zu allen, die in Unfrieden leben,
zu all den Hungernden,
die vergessen werden,
zu allen, die auf der Flucht sind
vor Gewalt und Elend
und die auf unser Mitgefühl hoffen.
Wir rufen:
Herr, erbarme dich!

In der Stille bringen wir vor dich unsere persönlichen Bitten …

Du bist nahe.
Verwandle und heile uns, Herr,
dass wir dich dort, wo wir dich nicht erwarten,
erwarten können.Stern© Gütgemann

 

Vater unser

 

SEGEN

Gott segne dich mit seiner Nähe und Liebe.
So segne dich der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. AMEN

 

Einen gesegneten 4. Advent!

Kerstin Gütgemann, Pfarrerin

 


 

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