Osterimpuls 1 Kor 15,12-28 für den Ostermorgengottesdienst in der Kirche Angersbach (05:30 Uhr)

 

Es ist noch dunkel.
Nicht nur draußen. 
Auch in uns.

Wir kommen hierher mit dem, was uns beschäftigt:
mit Bildern, die sich eingebrannt haben  Krieg in der Ukraine, Kämpfe im Iran.

Mit Benzinpreistafeln vor Augen, die nur noch eine Richtung zu kennen scheinen: 
nachoben.

Mit Worten, die nachhallen und Angst machen:
„Wir werden sie in die Steinzeit bomben!“

Mit geschlossenen heiligen Orten in Jerusalem – ausgerechnet dort, wo Menschen sonst Trostsuchen.

Und mit dem, was uns ganz persönlich umtreibt:
Sorgen um die Zukunft, steigende Preise, das Gefühl, dass die Welt aus den Fugen gerät.

Manchmal ist es genau dieses Gefühl:
Wir sind dem ausgeliefert.

Und nun sind wir hier. 
Am Ostermorgen.
Zwischen Nacht und Licht.

Und wir feiern etwas, das so gar nicht zu passen scheint zu dem, was uns gerade bewegt: Wir feiern die Auferstehung Jesu.

Vielleicht fragen wir uns:
Was hat das mit mir, mit meinem Leben zu tun?
Ist Ostern nur ein Familienfest mit bunten Eiern, Essen und Kaffeetafel? Oder ist damehr?

Die Osterbotschaft sagt: 
Es ist mehr.
Viel mehr.

 

Denn Gott hat Jesus nicht auferweckt, damit wir uns einbisschen besser fühlen.

Nicht, damit wir den Tod irgendwie verdrängen können. 
Sondern um einZeichen zu setzen.

Ein Zeichen gegen alles, was uns klein macht. 
Gegen das, wasLeben zerstört.
Gegen Angst, gegen Leid, gegen den Tod.

Paulus nennt Christus den „Erstling der Entschlafenen“  an ihm zeigt sich, was Gott mit unsallen vorhat:

Was an Christus geschehen ist, bleibt nicht bei ihm, sondern reicht bis zu uns, bis an dasEnde der Zeiten.

Der Tod behält nicht das letzte Wort.

Das ist die eigentliche Herausforderung an Ostern.
Denn alles in unserer Erfahrung spricht zunächst dagegen. 

Wir sehen, wiezerbrechlich Leben ist.

Wie schnell Hoffnung verloren geht.

Wie wir uns leiten lassen von Angst, von Eigennutz, von der Weigerung, nach den gutenPrinzipien Gottes zu leben.

Und doch sagt die Osterbotschaft  und zeigt uns das Osterlicht:
Das ist nicht das Ende der Geschichte.

Es gibt eine andere Wirklichkeit, die schon begonnen hat. 
Leise.
Unscheinbar.

Aber sie ist da.

Immer dann, wenn wir uns nicht von der Angst bestimmen lassen.

WennVersöhnung möglich wird, wo alles nach Trennung aussieht.
Wenn einer nicht sagt „Ich hasse …“, sondern „Ich vergebe …“.

Da beginnt etwas Neues. 
Da zeigt sich:
Das Leben ist stärker.

Ostern ist kein Rückblick auf ein Wunder vergangener Zeiten. 
Ostern ist derAnfang einer neuen Bewegung.

Einer Bewegung, in der Gott diese Welt verwandelt. 
Nicht vonaußen.
Sondern von innen heraus. 
Schritt für Schritt.
Mensch für Mensch.

Vielleicht spüren wir das nicht immer.
Vielleicht fühlen wir uns oft noch mitten in der Nacht.

Aber genau da hinein spricht Ostern:
Du bist nicht gefangen in dem, was ist.

Es gibt mehr.
Mehr Leben. 
MehrHoffnung. 
Mehr Zukunft.

Und diese Zukunft beginnt nicht irgendwann. 
Sie beginnt jetzt.
Hier.

Vielleicht ganz klein:
in einem neuen Gedanken, 
in einem mutigenSchritt,
in einem Wort, das aufrichtet.

Das ist die Einladung dieses Morgens:

Zu fragen:
Wo kann ich in meinem Leben etwas neu werden? 
Wo hält michAngst fest 
und wo könnte ich einen ersten Schritt ins Licht wagen?

Wo kann ich selbst ein Zeichen setzen –
gegen das Dunkel?

Ostern heißt:
Gott hat schon angefangen. 
Mitten in unsererWelt.
Mitten in all dem, was uns belastet.
Und nichts wird das rückgängig machen.

Christus ist auferstanden 
er ist wahrhaftig auferstanden.

Das heißt:
Das Leben hat begonnen, sich durchzusetzen.

Die Nacht bleibt nicht. 
Das Licht ist da.
Wir können es sehen.
Wir können es weitergeben. 

Amen.

Es gilt das gesprochene Wort.

 

Pfarrer Michael Gütgemann, Wartenberg

 


 

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