Gottesdienst am 1.Weihnachtsfeiertag, 25. Dezember 2020
Liebe Leserin, lieber Leser!
Vielleicht ist das der bisher stillste erste Weihnachtsfeiertag, den ich feiere. Kann so überhaupt Weihnachtsfreude aufkommen?
„Wir müssen Weihnachten retten. Das höre ich im Moment ständig. Ich glaube, das müssen wir nicht. Weihnachten braucht keine Rettung, Weihnachten rettet uns. Es hat zweitausend Jahre überstanden. Ist durch den 30-jährigen Krieg gegangen, war bei den Pestkranken, hat sich an die Seite der Verfolgten gestellt und sich nicht darum gekümmert, ob Lametta am Baum hing. Weihnachten hängt nicht davon ab, ob fünf oder zehn zusammen feiern. Weihnachten lässt sich nicht machen.
Die Geschichten sind da. Der Stern ist da. Menschen sind da, an vielen verschiedenen Orten. Die Fantasie ist da, sich auf den Weg zu machen. Ausschau zu halten, was trägt, wenn es nicht das Gewohnte ist. Die Hoffnung ist da, dass es winzige Anfänge gibt, die zur Rettung werden.“ (S. Niemeyer)
Diese Hoffnung stärkt mich und lässt mich beten: Gott, wir suchen nach dem Stern und nach der Begegnung mit dir. Rette uns und mach uns froh! Amen.
Aus der Weihnachtsgeschichte, Lukas 2:
8Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. 9Und des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. 10Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; 11denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. 12Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. 13Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: 14Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.
Impuls:
Dieses Jahr machen sich nicht viele auf in die Kirchen und Gottesdienste, um die Geburt des göttlichen Kindes zu feiern. Aber es ist auch gut, allein zum Stall zu kommen. Abseits des Trubels findet Begegnung mit Gott statt, so erzählt es Max Bolliger:
„Eine Hirtenlegende“
Es war einmal ein Hirte, der lebte auf einem Feld in der Nähe Betlehems. Er war groß und stark, aber er hinkte und konnte nur an Krücken gehen. Darum saß er meistens mürrisch am Feuer und sah zu, dass es nicht ausging. Die anderen Hirten fürchteten ihn.
Als den Hirten in der Heiligen Nacht ein Engel erschien und die frohe Botschaft verkündete, da wandte er sich ab. Und als sie sich aufmachten, um das Kind zu finden, so, wie es ihnen der Engel gesagt hatte, blieb er allein am Feuer zurück. Er schaute ihnen nach, sah, wie das Licht ihrer Lampen kleiner wurde und sich in der Dunkelheit verlor.
„Lauft, lauft! Was wird das schon sein? Ein Spuk, ein Traum!“
Die Schafe rührten sich nicht.
Die Hunde rührten sich nicht.
Er hörte nur die Stille.
Er stocherte mit der Krücke in der Glut.
Er vergaß, frisches Holz aufzulegen.
Und wenn es kein Spuk, kein Traum wäre? Wenn es den Engel gab?
Er raffte sich auf, nahm die Krücken und humpelte davon, den Spuren der anderen nach.
Als er endlich zu dem Stall kam, dämmerte bereits der Morgen.
Der Wind schlug die Tür auf und zu.
Ein Duft von fremden Gewürzen hing in der Luft. Der Lehmboden war von vielen Füßen zertreten. Er hatte den Ort gefunden.
Doch wo war das Kind, der Heiland der Welt, Christus, der Herr in der Stadt Davids?
Er lachte. Es gab keine Engel. Schadenfroh wollte er umkehren.
Da entdeckte er die kleine Kuhle, wo das Kind gelegen hatte, sah das Nestchen im Stroh. Und da wusste er nicht, wie ihm geschah. Er kauerte vor der leeren Krippe nieder. Was machte es aus, dass das Kind ihm nicht zulächelte, dass er den Gesang der Engel nicht hörte und den Glanz Marias nicht bewunderte! Was machte es aus, dass er nun nicht mit den anderen in Betlehem durch die Straßen zog und von dem Wunder erzählte!
Was ihm widerfahren war, konnte er nicht mit Worten beschreiben. Staunend ging er davon. Er wollte das Feuer wieder anzünden, bevor die anderen Hirten zurückkamen.
Doch als er eine Weile gegangen war, merkte er, dass er seine Krücken bei der KrippeW vergessen hatte. Er wollte umkehren.
Warum denn? Zögernd ging er weiter. Dann mit immer festeren Schritten.“
Er wusste nicht wie ihm geschah… „Da ist doch nichts und niemand.“ Das ist der Einwand derer, die nicht glauben. Und doch: Der Hirte spürt es und kann es nicht in Worte fassen. Weil es eben unglaublich und unfassbar scheint. Aber was zählt das schon, wo er sich zum ersten Mal seit langer Zeit willkommen fühlt. Er fühlt sich bekräftigt: der Außenseiter, der der hinterherhinkt ist nicht zu spät, sondern genau richtig. Gott ist da. Nicht groß und offensichtlich, aber so fein und nah, dass es genügt. Beflügelt geht der Hirte seinen Weg…
Ich sehne mich dieses Jahr auch nach Nähe und neuer Energie. Ich halte mich an dem Strohhalm aus der Krippe fest. Komm, Gott! Amen.
Fürbittengebet:
„Fürchte dich nicht“ – sagt der Engel. Leichter gesagt als getan, gerade in diesen Zeiten. Gott, schicke gute Boten und Worte, die froh machen. Ich möchte so gern furchtlos und heiter durch die Welt gehen. Komm, Gott, zeig uns den Weg!
„Und sie machten sich auf den Weg“ – Gott, viele sind innerlich unterwegs, aber andere verlassen ihre Heimat und suchen ein lebenswertes Zuhause. Begleite sie und lass sie gut ankommen. Lass uns nicht müde werden vom Elend, sondern tatkräftig helfen.
„Friede auf Erden“ – danach sehnen wir uns. Zum Frieden beitragen würden jetzt vor allem Gesundheit und Impfungen. Für alle Kranken und für alle, die sich um sie sorgen bitten wir. Schenk deine heilsame Nähe, guter Gott.
Stilles Gebet und Vaterunser
Weihnachtssegen:
Gott segne dich und behüte dich,
Gott lasse sein Licht leuchten über dir und erwärme dich.
Gott erfreue dein Herz und schenke dir Frieden.
Amen.
Pfarrerin Maike Westhelle, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
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