Predigt zur Konfirmation in Landenhausen am 11.05.2025
Ein Herz, das lebt – Psalm 51,12 in einer Welt voller Veränderungen
„Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist.“
Gnade sei …
Liebe Konfi´s, liebe Festgemeinde!
1. Move: Die Welt des Zuhörers betreten – „Was kommt auf mich zu?“
Heute, an diesem besonderen Tag, möchte ich über das Herz sprechen.
Über eure und unsere Herzen, die heute vielleicht etwas schneller schlagen.
Damit wir es vor Augen haben, habe ich von meiner Nachbarin Conny Schweiger ein großes Holzherz mitgebracht.
Heute ist ein aufregender Tag. - Wenn wir euren Herzschlag messen würden oder den eurer Eltern und Großeltern, dann würden wir hier ganz viel Aufregung im Raum messen können.
Eure Herzen schlagen schneller, weil sich in eurem Körper so vieles gerade verändert. Vielleicht schlägt eurer Herz ja auch gerade ganz besonders für jemanden, der nicht zu eurer Familie gehört.
Ihr Jugendlichen steht heute hier, an der Schwelle zu einem neuen Abschnitt in eurem Leben. Es kommt eine Zeit voller Möglichkeiten, aber auch voller Fragen:
Wohin führt mein Weg?
Wer werde ich sein?
Wird meine Zukunft sicher sein – oder wird sie mich herausfordern?
Diese Unsicherheit ist nichts Neues.
Aber sie fühlt sich heute vielleicht anders an als für die Generationen vor euch.
Wir leben in einer Zeit, in der die Welt sich schneller verändert als jemals zuvor.
- Technologie entwickelt sich in rasantem Tempo. - Künstliche Intelligenz kann Texte schreiben, Bilder erschaffen, Entscheidungen vorschlagen. Was bedeutet das für unsere Zukunft?
- Globale Krisen bestimmen Nachrichten und Alltag. - Klimawandel, Kriege, soziale Ungleichheit – wie soll man sich da zurechtfinden?
- Digitale Welten beeinflussen unser Denken und Fühlen. - Social Media zeigt uns ein Idealbild, das oft nicht real ist. Vergleiche, Erwartungen, Druck – wie kann ich mich davon befreien?
Vielleicht fragt ihr euch manchmal:
Wie kann ich in dieser Welt einen festen Stand finden?
Kann ich darauf vertrauen, dass mein Herz stark bleibt?
2. Move: Die Welt des Textes betreten – Psalm 51,12 als Gebet um Klarheit und Kraft
David, der aus dem Alten Testament bekannte König von Juda, kannte das Gefühl der Unsicherheit.
Er hatte viel Macht, aber auch Verantwortung.
Er wusste nie genau, was morgen auf ihn wartete – und er machte Fehler, die sein Herz belasteten.
In dieser Unruhe betete er:
„Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, festen Geist!“
David wusste: Er braucht mehr als nur eine zweite Chance.
Er braucht innere Klarheit, neue Stärke, eine Erneuerung seiner tiefsten Überzeugungen.
Genau dieses Gebet - „Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, festen Geist!“ -
passt in unsere Welt heute:
- Wenn digitale Algorithmen bestimmen, was wir sehen – brauchen wir ein Herz, das sich nicht manipulieren lässt.
- Wenn Krisen Angst machen – brauchen wir einen Geist, der fest bleibt in Hoffnung und Vertrauen.
- Wenn Zukunftsentscheidungen uns überfordern – brauchen wir eine innere Stimme, die uns Orientierung gibt.
„Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, festen Geist!“, unser Predigtwort heute, ist mehr als ein altes Gebet –
es ist eine Einladung, unsere Herzen zu erneuern, uns nicht von der Welt zerbrechen zu lassen, sondern sich von Gott und seinem Segen stärken zu lassen. So wie wir das heute feiern.
3. Move: Das Lied „Schenke mir, Gott“ als Echo des Psalms
Diese Sehnsucht nach Halt steckt auch im Lied „Schenke mir, Gott“ von Thomas Laubach.
Wir werden es gleich singen. Einige Eltern habe es sich für Eure Konfirmation gewünscht.
Vielleicht kennt ihr das Gefühl:
- Ihr scrollt durch TicToc und Insta und seht scheinbar perfekte Leben – und fragt euch, ob ihr jemals gut genug sein werdet.
- Ihr hört Nachrichten über Krisen – und fragt euch: Was bedeutet das für mich? Habe ich überhaupt Kontrolle über meine Zukunft?
- Ihr bekommt Empfehlungen von KI-Systemen – und fragt euch: Wo bleibt meine eigene Entscheidungskraft?
Das Lied „Schenke mir Gott“ ist eine gesungene Bitte, eine Bitte um Klarheit, um Kraft, um Frieden.
Es erinnert uns daran, dass Gott unser Herz beruhigt, unsere Seele stärkt und uns neue Klarheit gibt.
4. Move: Verbindung zum Leben herstellen – Was bedeutet Psalm 51,12 für euch?
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden:
Das Gebet des David spricht direkt in eure Lebenswelt hinein – ins echte Leben, die digitale Welt und die Unsicherheiten der Zukunft.
Ihr werdet in den kommenden Jahren Entscheidungen treffen müssen.
Ihr werdet mit Veränderungen konfrontiert sein, die ihr nicht beeinflussen könnt.
Aber eines bleibt: - Gott schenkt euch ein Herz, mit dem ihr genau hinhören könnt. Ein Herz mit dem ihr genau hinsehen und euch die Augen öffnen lassen könnt und ein fühlendes Herz, dem die Menschen an seiner Seite nicht egal sind.
Ein Herz, das wachsen darf. Ein Herz, das nicht nur reagiert, sondern aktiv gestaltet.
Die Bibel zeigt uns drei Seiten des Herzens, die euch helfen können:
- Das Herz kann überfordert sein – aber Gott kann es erneuern. (Hesekiel 36,26) -> Egal, wie chaotisch die Welt erscheint – Gott schenkt euch innere Klarheit.
- Das Herz kann zweifeln – aber es kann Hoffnung finden. (Psalm 27,14) -> Ihr müsst nicht alle Antworten haben – aber ihr dürft vertrauen, dass Gott euch führt.
Das Herz kann unsicher sein – aber es kann Weisheit finden. (Sprüche 2,10) -> Ihr müsst nicht sofort wissen, was richtig ist.
Vertrauen wächst mit der Zeit.
5. Move: Schlussbewegung – Ein Bild zum Mitnehmen
Heute am Tag eurer Konfirmation schlägt euer Herz schneller – vor Aufregung, Freude, vielleicht auch Unsicherheit.
So ein klopfendes Herz ist ein Zeichen dafür, dass ganz viel Power, ganz viel Leben in euch ist. Dass ihr fühlt, hofft, zweifelt – dass ihr lebendig seid.
Und genau euer Herz ist es, das Gott berühren will.
Er sagt nicht: „Sei perfekt.“
Er sagt: „Ich schenke dir ein glaubendes, ein hoffendes Herz. Ein Herz, das sich nicht verhärtet. Einen Geist, der dich trägt.“
Stellt euch euer Herz wie einen Kompass vor.
Manchmal zeigt die Nadel eine klare Richtung.
Manchmal dreht sie sich, und ihr wisst nicht, wohin ihr gehen sollt.
Aber Gott ist die Kraft, die die Nadel wieder neu ausrichtet.
Egal, welche Unsicherheiten auf euch warten:
- Ihr müsst nicht alles verstehen – aber ihr dürft vertrauen.
- Ihr müsst nicht perfekt sein – aber ihr seid geliebt.
- Ihr müsst nicht die Zukunft kennen – aber ihr geht nicht allein.
Und jetzt lade ich euch alle – die Konfis, die Eltern, die Gäste - ein zu einer Geste:
Legt eure rechte Hand auf euer Herz.
Spürt euren Herzschlag.
Und wenn ihr bereit seid, dann berührt Daumen und Zeigefinder und hebt eure Hand langsam – so, als würdet ihr euer Herz nehmen und zu Gott hinhalten.
Ein Zeichen dafür, dass unser Leben in Gottes Hand ist.
Und vielleicht denkt und fühlt ihr dabei, hier in diesem Augenblick:
„Gott, hier ist mein Herz. Schenk du mir ein neues.
Mach mich stark. Mach mich klar.
Mach mich bereit, mein Leben mit dir zu gehen.“
Amen.
Pfarrer Michael Gütgemann, Wartenberg
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